Die (Vor-) Geschichte des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums

Als die Kevelaer-Wallfahrt gerade fünfzehn Jahre alt war, schlug der Oratorianer Johannes Stalenus 1657 vor, in Kevelaer ein Gymnasium anzubieten. Doch die Ordensoberen im Kloster hatten mit der Seelsorge so viel zu tun, dass sie den Vorschlag ablehnten.
Neunzig Jahre später wurde der Geistliche Johann Krickelberg von mehreren Bürgern bei seinem Vorhaben unterstützt, eine Lateinische Privatschule einzurichten. Nach rund dreijähriger Vorbereitung gründete Schulleiter Johann Heinrich Keysers 1751 dort, wo heute an der Egmontstraße das Haus Nr. 11 steht, die "Studentenschule". Etwa 35 Lateinschüler besuchten jährlich diese Höhere Schule. Nach Keysers' Tod (1790) führte Vikar Horlemann die Lehranstalt als öffentliche Schule weiter, unterrichtete in hochdeutscher und französischer Sprache.
Als das ganze Rheinland unter französisches Besatzungsrecht geriet, wurde das kleine Kevelaerer Gymnasium 1791 zwangsaufgelöst, da es von einem Geistlichen geleitet wurde.

1859 wurde im Westflügel des Kevelaerer  Priesterhauses eine neue Rektoratsschule  eingerichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 


1859 wurde im Westflügel des Kevelaerer

Priesterhauses eine neue Rektoratsschule

eingerichtet.

Um 1820, nachdem die Franzosen abgezogen waren, unternahm der junge Pastor von St. Antonius Kevelaer, Johann Heinrich Krickelberg, den Versuch, wieder ein Gymnasium einzurichten. Jedoch erst knapp vierzig Jahre später konnte die Idee umgesetzt werden: Die neue private Rektoratsschule wurde im Westflügel des Priesterhauses untergebracht und seit dem 25. Oktober 1859 konnten acht Jungen vom Schulleiter, dem Geistlichen Heinrich Kottenstette, unterrichtet werden. Die Tatsache, dass unter der kirchenfeindlichen Regierung von Reichskanzler von Bismarck die Rektoratsschule 1872 in eine "Familienschule" umgewandelt werden musste, bedeutete erneut das Ende des Gymnasiums. Zwanzig Jahre später sorgte Pastor Joseph van Ackeren dafür, dass 1894 mit Hilfe eines kirchlichen Rektoratsvereins an der heutigen Ecke Twistedener Straße/Römerstraße eine Höhere Knabenschule eingerichtet wurde. Auch ihm war es zu verdanken, dass ab 1902 Schwestern von der Göttlichen Vorsehung den Mädchen eine gymnasiale Bildung ermöglichten und sie in der Bewahrschule, dem heutigen Kindergarten von St. Marien, unterrichteten.


1922 übernahm die Gemeinde Kevelaer die Trägerschaft der Knaben-Rektoratsschule mit ihren neunzig Jungen, die Höhere Schule für die etwa siebzig Mädchen, die nun an der Bogenstraße (heute Antwerpener Platz) lag, blieb als "private" Schule unter der Leitung von St. Antonius. Jedoch schon fünfzehn Jahre später wollten die Schulbehörden solche kleinen Schulen auflösen. Am 30. August 1938 ordnete Kevelaers Bürgermeister im Einvernehmen mit den Gemeinderäten an, die Jungenschule zu schließen und als Zubringer für das Gelderner Gymnasium eine vierzügige Oberschule einzurichten, die als "Vor-Gymnasium" auch von Mädchen besucht werden konnte. Massiv setzte der Landrat den damaligen Dechant Wilhelm Holtmann unter Druck, dafür entweder das Gebäude der Jungen- oder der Mädchen-Schule zur Verfügung zu stellen. Holtmann lenkte ein, die bisherige Mädchenschule an der Bogenstraße wurde Januar 1939 endgültig aufgelöst und das Gebäude für das Progymnasium vermietet. 1945, nach heftigen Bombenangriffen, lag die "Höhere Schule Kevelaer" in Trümmern.
Bis das Schulgebäude an der Bogenstraße Ostern 1946 repariert war, wurden die jungen Gymnasiasten in der Gaststätte Valks an der Busmannstraße und bei Butzon & Bercker (heute Luxemburger Galerie) unterrichtet.

Für das Progymnasium entstand 1952 dieser Schulneubau mit Aula

Für das Progymnasium entstand 1952 dieser Schulneubau mit Aula (heute öffentliche Begegnungsstätte mit Konzert- und Bühnenhaus).

1952 waren sich die Kevelaerer Ratsmitglieder darin einig, dass ein Schulneubau neben dem Bühnenhaus (heute Begegnungsstätte) errichtet und das Progymnasium um die Mittelstufe erweitert werden sollte.

Bischof Graf von Galen 1942 am Kevelaerer  Bahnhof.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 












Bischof Graf von Galen 1942 am

Kevelaerer Bahnhof.

Zum regulären Gymnasium mit Abiturprüfung ab 1959 war es dann nur ein kleiner Schritt, bevor man sich ein Jahr später auf einen Namen für Kevelaers Höhere Schule einigte: Zum Gedenken an die Persönlichkeit und das Wirken des Bischofs, des mutigen Predigers im Dritten Reich, des 1946 in Rom zum Kardinal ernannten und 2005 dort selig gesprochenen Clemens August Graf von Galen heißt das Städtische Kevelaerer Gymnasium ‚Kardinal-von-Galen-Gymnasium'.

Fassade des Gymnasiums bis 2014

Rasch wuchsen die Schülerzahlen, das Gebäude wurde zu klein und am Wasserturm entstand ein neues Schulzentrum. 1978 zogen hier das Kardinal-von-Galen-Gymnasium und zwei Hauptschulen ein.

Am Rande des Stadtzentrums zwischen Schwimmbad, Stadion, Sport- und Multifunktionshalle gelegen, besuchen heute rund siebenhundertvierzig Schülerinnen und Schüler die Schule, etwa fünfzig Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier.

Paul Wans



Für diese KvGG-(Vor-)Geschichte
stellte das Kevelaerer Blatt dankenswerterweise sein Archiv zur Verfügung.
Quelle: KB Nr. 48, 30.11.2001
siehe auch unter

http://de.wikipedia.org/wiki/Kardinal_von_Galen